Facialisnerv
Anatomie
Der Nervus Facialis (Hirnnerv VII) entspringt dem Stammhirn zwischen Pons und Großhirnmarklager.
Er kontrolliert
- die quergestreiften Muskeln des Gesichtsausdrucks
- den Schutz des Gehörsinnes durch den Stapediusmuskel
- Funktionen des Geschmackssinns (vordere 2/3 der Zunge und Mundhöhle) und des Schluckens (Stylohyoidmuskel).
- Stimulierung von Speichel– und Tränendrüsen
Er führt zudem parasympathische Fasern zu mehreren Kopf- und Nackenganglien.
Der Facialis ist Teil des Social Engagement System (SES) für Stressreduktion (siehe Polyvagaltheorie)
Gehirn
Grafik: Wikipedia, Patrick Lynch
Relais:
1. Großhirnrinde / N Facialis (-/+) für motorische und sensorische Funktionen
2. Großhirnmark / N Facialis (-/+) für Muskeltrophikim “Schädelbereich”
3. Stammhirn / parasympathische Anteile des N Facialis für Geschmackssinn Zunge), unwillkürliche Motorik, sekretorische und absorptive Funktionendorso-medial li & re
Psyche
Biologisches Thema:
1. Soziale Angst, sich durch die Mimik angreifbar zu machen
2. Selbstentwertung, das Gesicht nicht wahren zu können
3. Gustatorischer (Geschmacks-)Konflikt (siehe Zunge, Speicheldrüsen)
Gefühle, Gedanken:
Scham, Angst, Abscheu
- Ich muss mein Gesicht wahren!
- Ich habe mich zum Narren gemacht.
- Ich darf meine wahren Gefühle/mein wahres Gesicht nicht zeigen.
- Mein Gesicht hat mich verraten!
- Da sind mir die Gesichtszüge entgleist.
- Ich wurde stumm und starr.
- Das schmeckt eklig!
META-Bedeutung:
- Ich liebe mich und vergebe mir meine Ausfälle.
- Ich stehe zu mir und lasse die anderen denken, was sie wollen.
Organ
Die Sensibilitätsveränderungen des Facialisnervs in Stress- und Regenerationsphase gehören dem ÄH-Muster (wie die äussere Haut, Hyperästhesie in der Regenerationsphase) an.
Stressphase:
Keine Zellveränderung, aber “sinnvolle” Funktionsveränderung:
1. Sensorische Anteile: Empfindungsverlust bis hin zu -taubheit (Hypo- /Anästhesie, Parästhesie) der betroffenen Gesichtshälfte
2. Motorische Anteile: Parese/Teilparalyse der mimischen Muskulatur, dadurch Rückgang und ggf Atrophie der betroffenen Muskeln.
3. Geschmacksverlust, reduzierte Speichelsekretion, reduzierte Produktion von Tränenflüssigkeit, Hyperakusis (Hör-Überempfindlichkeit), Ausfall des Stapediusreflexes
Mögliche Diagnose: Apoplex (Hirnschlag, Stroke), Gesichtslähmung (Facialisparese)
Regenerationsphase A:
Ödematisierung des Hirnrelais, dadurch kann die Impulsübermittlung behindert werden und weitere Ausfälle entstehen. Die Diagnose Apoplex/Stroke kann auch in dieser Phase gestellt werden.
Heilkrise:
Kurzzeitige Ohnmacht, Muskelzuckungen im Gesicht, Speichelfluss: “epileptischer Anfall”
Regenerationsphase B:
Graduelle oder schubweise Rückkehr der Funktion. Parästhesien (Missempfindingen) können weiterhin auftreten
Biologischer Sinn:
Die Stressreaktion der reduzierten Empfindung und der Erstarrung spiegelt die Abwehr der Gefühlsausdrucksübermittlung, und unterstützt damit das “Pokerface” oder die Maske.
Der gefühlte oder befürchtete Schmerz wird gemindert.
Sozial
Beispiele:
- Die Klientin fühlte sich durch Bemerkungen ihres Partners wie “ins Gesicht geschlagen” und entwickelte Hörempfindlichkeit und zunehmende Teillähmung der rechten Mundregion.
- Die Klientin verlor ihren Enkel durch einen Unfall, als er illegal Auto fuhr. Sie erlitt einen Trennungskonflikt, musste ihre Gefühle auch zurückhalten, da die Beziehung zur Schwiegertochter (der Mutter) nicht offen und unterstützend ist. Sie entwickelte eine linksseitige Facialisparese, die durch Coaching verbessert werden konnte (Klapp)
Zusätzliche Information
Die Diagnose Apoplex (Schlaganfall) kann unterschiedliche Symptome: typisch sind Halbseitenlähmung mit Ausfällen der Gesichtsmuskulatur, der Sprache, motorischer Fähigkeiten in Armen, Händen und Beinen. Ursachen können Hirnödeme, Hirnblutungen und Minderdurchblutung sein.
Differentialdiagnose
Glatte Muskelzellen der Faszien (MH +/-) Stress bei Selbstschutz: Spannungserhöhung und Hypertrophie der Gesichtsmuskulatur
Trigeminusnerv (GHR -/+) Stress bei Zurückhaltung von Gefühlsäusserung: Minderung der sensorischen Gesichtsfunktionen (taktil, propriozeptiv, nocizeptiv), Hemmung des Beissens; Regenerationsphase: ggf Trigeminusneuralgie